Arbeiten in heißen Produktionsumgebungen: Vorschriften und Kühlungslösungen

5 Min. Lesezeit - Veröffentlicht am September 29, 2026

An heißen Tagen können die Temperaturen in Produktionsstätten schnell ansteigen. Maschinen und Produktionsprozesse erzeugen kontinuierlich Wärme, während Sonneneinstrahlung das Gebäude zusätzlich aufheizt. Gleichzeitig müssen die Mitarbeitenden auch bei hohen Temperaturen konzentriert bleiben und sicher arbeiten können. Beim Schutz vor Hitze am Arbeitsplatz geht es daher um weit mehr als nur um den Komfort im Sommer.

Eine aktuelle Studie von Prognos im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zeigt, dass Hitze bereits heute erhebliche Auswirkungen auf die deutsche Arbeitswelt hat. Ein einzelner Hitzetag mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 °C verursacht demnach schätzungsweise Kosten von über 431 Millionen Euro. Etwa 97 % davon entfallen auf hitzebedingte Produktivitätsverluste. Auch das verarbeitende Gewerbe weist eine vergleichsweise hohe Rate an hitzebedingten Arbeitsausfällen auf.

Hitze in Produktionsstätten beeinträchtigt daher nicht nur die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten, sondern kann sich auch auf die Produktivität und die betriebliche Kontinuität auswirken.

 

Wann ist es zu heiß zum Arbeiten?

In Deutschland gibt es kein generelles gesetzliches „Hitzefrei“ am Arbeitsplatz. Nach den Vorgaben der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur ASR A3.5 Raumtemperatur soll die Lufttemperatur in Arbeitsräumen grundsätzlich 26 °C nicht überschreiten. Bei hohen sommerlichen Außentemperaturen gilt ein Stufenmodell: Steigt die Raumtemperatur über 26 °C, sollen zusätzliche Maßnahmen ergriffen werden. Bei mehr als 30 °C müssen wirksame Schutzmaßnahmen umgesetzt werden. Bei Temperaturen über 35 °C ist ein Raum ohne besondere Schutzmaßnahmen, wie sie bei Hitzearbeit vorgesehen sind, als Arbeitsraum ungeeignet.

Bei der Beurteilung der Hitzebelastung spielen neben der Lufttemperatur weitere Faktoren eine wichtige Rolle. Die BAuA weist insbesondere auf schwere körperliche Arbeit, wärmebelastende Arbeits- oder Schutzkleidung sowie besonders schutzbedürftige Beschäftigte hin. Gerade in Produktionsstätten kommen häufig zusätzliche Wärmequellen wie Maschinen, Öfen, Laser, Kompressoren und heiße Produkte sowie Sonneneinstrahlung über Dach und Fassade hinzu. Ein betrieblicher Hitzeschutzplan ist daher besonders wichtig.


Wärmebelastung - Adiabatische Kühlung - Oxycom

Abbildung : Wesentliche Wärmelasten in einem Industriegebäude entstehen durch Sonne, Dach und Wände, Beleuchtung, Personen, Maschinen, Fenster sowie Lüftung oder Infiltration.

Wie schützt man Mitarbeitende vor Hitze?

Ein wirksamer Hitzeschutz am Arbeitsplatz kombiniert technische, organisatorische und personenbezogene Maßnahmen. Die 2026 veröffentlichte Handlungshilfe für Hitzeschutzpläne im Betrieb des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales empfiehlt, Arbeitsbereiche und Beschäftigtengruppen systematisch nach ihrer Hitzebelastung zu erfassen, die Belastung zu beurteilen und darauf aufbauend geeignete Schutzmaßnahmen festzulegen.

Dazu gehören unter anderem:

• ein praxisorientierter betrieblicher Hitzeschutzplan
• ausreichend Trinkwasser und zusätzliche Pausen
• angepasste Arbeitsaufgaben und Arbeitszeiten
• die Reduzierung körperlicher Belastungen während besonders heißer Tageszeiten
• technische Maßnahmen zur Verringerung der Wärmebelastung am Arbeitsplatz

Diese Maßnahmen tragen zum Schutz der Beschäftigten bei. Organisatorische Anpassungen können jedoch auch Auswirkungen auf die Produktionskapazität und die Betriebskosten haben. Technische Maßnahmen wie das Abführen warmer Luft, eine ausreichende Belüftung und die wirksame Kühlung der Arbeitsbereiche können dazu beitragen, die Bedingungen in Produktionsstätten stabiler zu halten und die Abhängigkeit von organisatorischen Maßnahmen zu verringern.

Hitzebelastungen sollten zudem systematisch in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigt werden. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) weist 2026 darauf hin, dass hohe Temperaturen die Konzentration und Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, die Fehleranfälligkeit erhöhen und zu mehr Krankheitstagen führen können. Hitze sollte daher sowohl bei Innenarbeitsplätzen als auch bei Außenarbeitsplätzen als Risikofaktor erfasst werden. Darauf aufbauend sollten technische, organisatorische und personenbezogene Schutzmaßnahmen nach dem TOP-Prinzip festgelegt werden.

 

Warum Belüftung allein bei Hitze nicht ausreicht

Belüftung trägt dazu bei, heiße und verunreinigte Luft aus Produktionsstätten abzuführen. An heißen Tagen reicht sie allein jedoch nicht aus, um die Hitzebelastung am Arbeitsplatz ausreichend zu reduzieren, da auch die einströmende Außenluft hohe Temperaturen aufweist.

Zudem ist das Öffnen von Türen und Toren nicht immer möglich, beispielsweise aufgrund von Lärmbelästigung, Sicherheitsanforderungen oder betrieblichen Vorschriften.

Um auch bei hohen Temperaturen angenehme Arbeitsbedingungen zu schaffen, muss eine wirksame und langfristige Klimalösung daher drei Aufgaben erfüllen:

  1. heiße und verunreinigte Luft abführen

     

  2. frische Außenluft zuführen

     

  3. die einströmende Außenluft kühlen, bevor sie den Produktionsbereich erreicht

Für Produktionsstätten mit hoher innerer Wärmebelastung ist daher ein System unerlässlich, das Belüftung und Kühlung kombiniert. Eine zweistufige adiabatische Kühlung bietet hierfür eine energieeffiziente Lösung und kann dazu beitragen, die Arbeitsbedingungen bei Hitze zu verbessern.

 

Wie funktioniert die zweistufige adiabatische Kühlung?

Bei der direkten adiabatischen Kühlung wird warme Außenluft in einem einzigen Schritt durch Wasserverdunstung gekühlt. Dadurch kann die Temperatur der Außenluft um bis zu 10 °C gesenkt werden.

Die zweistufige adiabatische Kühlung geht noch einen Schritt weiter. Das IntrCooll-System von Oxycom kühlt die Außenluft zunächst indirekt, ohne ihr Feuchtigkeit zuzuführen. Anschließend wird die Luft in einem zweiten, direkten Schritt durch Wasserverdunstung weiter abgekühlt.

Durch diese Kombination kann IntrCooll die Luft um 4 bis 7 °C stärker kühlen als mit direkter adiabatischer Kühlung, während der Zuluft nur etwa halb so viel Feuchtigkeit zugeführt wird. In Hitzeperioden sorgt IntrCooll gleichzeitig für Kühlung und Belüftung der Produktionsstätte mit 100 % frischer, gefilterter Außenluft und trägt so zu angenehmeren Arbeitsbedingungen bei Hitze bei.

 

Bis zu 90 % geringerer Energieverbrauch

IntrCooll verbraucht bis zu 90 % weniger Energie als herkömmliche Klimaanlagen. Die tatsächlichen Einsparungen hängen dabei vom Gebäude, der internen Wärmelast, den Betriebsstunden und dem System ab, mit dem die zweistufige adiabatische Kühlung verglichen wird.

Dass solche Einsparungen auch in der Praxis erreichbar sind, zeigt das Beispiel von Sinnack Backspezialitäten. An drei Produktionsstandorten wurden insgesamt 26 IntrCooll-Geräte installiert. Laut Technischem Leiter Peter Röskenbleck kann das Unternehmen dadurch 90 % seiner Energiekosten für die Kühlung einsparen.

Ein geringer Energieverbrauch ist nicht nur für die Betriebskosten von Bedeutung. Aufgrund von Netzengpässen gewinnt auch die verfügbare Stromkapazität in Produktionsbetrieben zunehmend an Bedeutung. Je weniger Strom für die Kühlung benötigt wird, desto mehr Kapazität steht für Maschinen, Produktionslinien und die Elektrifizierung zur Verfügung. So lässt sich die Hitzebelastung in Produktionsstätten reduzieren, ohne den Energiebedarf für die Kühlung unnötig zu erhöhen.

 

Ergebnisse in der Praxis

Letztendlich muss sich eine Technologie in der Praxis bewähren, nicht nur auf dem Papier, sondern vor allem im Arbeitsalltag. Entscheidend ist, wie die Beschäftigten die Bedingungen an ihrem Arbeitsplatz tatsächlich erleben.

Bei VM Fijnmetaal ist das Oxycom-System bereits seit einiger Zeit in Betrieb. Laut Michel van Meurs sind die Ergebnisse deutlich „sichtbar und spürbar“. Er berichtet von einer gleichbleibenden Luftqualität, einer stabilen Temperaturregelung und mehr Komfort für die Beschäftigten. Zudem unterstützt das verbesserte Raumklima seinen Angaben zufolge eine effiziente Produktion.

 

 Auch bei Heemskerk Fijnmechanica hat sich die zweistufige adiabatische Kühlung in der Praxis bewährt. Die dort eingesetzten CNC-Fräs- und Drehmaschinen erzeugen eine hohe interne Wärmebelastung. An extrem heißen Tagen senkten zwei IntrCooll-Geräte die Temperatur laut Inhaber Lucien Heemskerk um bis zu 14 °C. Er beschreibt das System als umweltfreundlich und energieeffizient und hebt insbesondere das angenehmere Arbeitsumfeld für die Beschäftigten hervor.

Produktionsstätte von Heemskerk Fijnmechanica mit IntrCooll-Kühlung

Bei 247TailorSteel werden IntrCooll-Geräte zur Kühlung, Belüftung, Wärmerückgewinnung und zum Heizen eingesetzt. Das Klimakonzept ist mittlerweile an allen Produktionsstandorten umgesetzt.

Diese Erfahrungen aus der Praxis sind entscheidend: Ein Klimatisierungssystem muss nicht nur in der Theorie effizient sein, sondern auch im Arbeitsalltag spürbar zu einem angenehmeren und stabileren Arbeitsumfeld beitragen.

 

Vom Hitzeschutzplan zur langfristigen Lösung

Ein Kühlsystem ersetzt zwar keine solide Arbeitsschutzpolitik, kann aber den Bedarf an organisatorischen Maßnahmen in Zeiten extremer Hitze verringern. Durch die kontinuierliche Abfuhr überschüssiger Wärme und die Kühlung der Arbeitsbereiche können die Raumbedingungen auch während längerer Hitzeperioden stabiler gehalten werden.

Aktuelle Untersuchungen aus Deutschland bestätigen, dass Hitze am Arbeitsplatz nicht nur eine Frage des Komforts ist. Das 2026 veröffentlichte Gutachten zu klimabedingten Risiken für die Arbeitswelt im Auftrag des BMAS zeigt erhebliche Auswirkungen auf Produktivität, Arbeitsausfälle und betriebliche Kosten.

Hitze am Arbeitsplatz wirkt sich damit direkt auf die Gesundheit und Sicherheit der Beschäftigten, die Produktivität und die betriebliche Kontinuität aus.

Wie gut ist Ihre Produktionsstätte auf heiße Tage vorbereitet?

Wissen Sie, wo sich die größten Wärmequellen befinden, wie die Luft durch Ihre Produktionshalle strömt und wie viel Kühlleistung tatsächlich benötigt wird?

Lassen Sie die Wärmebelastung, die Luftströme und den Kühlbedarf Ihrer Produktionsstätte analysieren. So erhalten Sie einen Überblick darüber, welche Klimalösung technisch und wirtschaftlich zu Ihrem Gebäude, Ihrem Produktionsprozess und Ihren Nachhaltigkeitszielen passt.

Besprechen Sie den Kühlbedarf Ihrer Produktionsstätte mit einem unserer Kühlexperten und erfahren Sie, welche Möglichkeiten für Ihre Situation bestehen. Fordern Sie eine kostenlose Beratung an. 


Kostenlose Beratung

Picture of Kor Foekens
Veröffentlicht am September 29, 2026

Kor Foekens

Kor Foekens ist Vertriebsleiter und technischer Spezialist bei Oxycom und seit 2018 Teil des Teams. Mit fast 20 Jahren Erfahrung in der adiabatischen Kühlung sowie in direkten und zweistufigen adiabatischen Systemen berät er Kunden aus der Fertigungsindustrie und aus Vertriebszentren und verwandelt technische Herausforderungen in praxisnahe, datenbasierte Lösungen. Als Bindeglied zwischen Kunden, Partnern, F&E, Engineering und Projektteams sorgt er dafür, dass jede Lösung nicht nur zuverlässig, sondern auch nachhaltig ist. „Ich bin überzeugt, dass die Zeit für nachhaltige Klimasysteme gekommen ist“, sagt Foekens. „Der Klimawandel und die Notwendigkeit, den globalen CO₂-Fußabdruck zu reduzieren, treiben uns an – und es ist großartig, gemeinsam mit dem gesamten Oxycom-Team daran zu arbeiten.“

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